Produktivitätstheater beim hybriden Arbeiten
Ein Kultursymptom / Autor: R. Gebhardt, 31.03.2026

Eine aktuelle Studie von Indeed und Appinio unter 1.000 hybrid Beschäftigten offenbart eine bedenkliche Realität: 2/3 haben im letzten Jahr Maßnahmen ergriffen, um produktiver zu wirken, als sie tatsächlich waren.
Die Ausprägungen dieser Fehlentwicklungen sind vielschichtig
- 56,6 % kommen primär ins Büro, um Präsenz zu zeigen.
- 27,7 % halten ihren Online-Status im Homeoffice künstlich auf "aktiv".
- 25,4 % bleiben nur deshalb länger, weil die Führungskraft noch da ist.
- 22,3 % äußern sich in Meetings ohne Mehrwert, um aufzufallen.
- 17,3 % lassen Jacken im Büro zurück, um Anwesenheit zu simulieren.
Indeed-Geschäftsführer Frank Hensgens bringt es auf den Punkt: „Wer vor allem Anwesenheit einfordert, darf sich nicht wundern, wenn genau diese optimiert wird.“
Dieses Produktivitätstheater ist selten mangelnde Motivation, sondern das 𝗦𝘆𝗺𝗽𝘁𝗼𝗺 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗞𝘂𝗹𝘁𝘂𝗿, 𝗱𝗶𝗲 𝘀𝗶𝗰𝗵𝘁𝗯𝗮𝗿𝗲 𝗣𝗿ä𝘀𝗲𝗻𝘇 ü𝗯𝗲𝗿 𝗺𝗲𝘀𝘀𝗯𝗮𝗿𝗲 𝗘𝗿𝗴𝗲𝗯𝗻𝗶𝘀𝘀𝗲 𝘀𝘁𝗲𝗹𝗹𝘁. Wenn Anwesenheit die Währung für Anerkennung ist, passen sich Mitarbeitende rational an.
Daraus ergeben sich klare Konsequenzen für die Managementpraxis:
Als Führungskraft zu vermeiden
- Präsenz belohnen: Physische Anwesenheit oder späte E-Mails sind keine Leistungsindikatoren.
- Mikromanagement: Die Überwachung des Online-Status untergräbt Vertrauen und fördert lediglich Vermeidungsstrategien statt echter Wertschöpfung.
- Ineffiziente Meetings: Besprechungen, die von Teilnehmenden primär reine Anwesenheit erfordern, binden wertvolle Ressourcen.
Als Führungskraft aktiv fördern
• Ergebnisorientierung: Die Bewertung muss sich auf den tatsächlichen Output und die Qualität konzentrieren, nicht auf investierte Zeit oder Arbeitsort.
• Vertrauenskultur: Ein inaktiver Status oder ein regulärer Feierabend dürfen keine negativen Konsequenzen für die Karriere haben.
• Vorbildfunktion: Ein transparenter, gesunder Umgang mit Arbeitszeiten durch das Management setzt den Standard für das gesamte Team.
Fazit
Inszenierte Produktivität verschwendet Zeit und Energie. Es liegt in der Verantwortung des Managements, eine vertrauensbasierte und leistungsorientierte Kultur zu etablieren.
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